Heilkräuter
Kräuter Heilkräuter - Lexikon
Alles über Kräuter, deren Wirkung und Anwendung

Rosmarin
(Rosmarinus officinalis)

Wir sind wieder dabei, das Wissen der Mönche im Mittelalter für uns zu entdecken. In deren Klostergärten durfte der Rosmarin nicht fehlen. Aber die Heil- und Gewürzpflanze wurde schon Jahrhunderte lang von Griechen und Römern genutzt, ehe sie in unsere Breiten gelangte.

Im milden Weinbauklima ist die Pflanze bei uns winterhart, sonst hat man eben einen ganzen Sommer lang Freude daran. Voraussetzung ist ein sonniger, trockener Standort, vergleichbar mit den Bedingungen in seiner Heimat rund um das Mittelmeer, wo der Rosmarin wild wächst. Bis zu einem Meter hoch wird der Strauch im dortigen Klima, seine Zweige verholzen mit zunehmendem Alter.

Botanisch gehört die Pflanze zu den Lippenblütlern. Ihre Blätter sind wie Nadeln geformt, die weißen oder zartvioletten Blüten erscheinen von Mai bis Juni. Die immergrünen Zweige flocht man früher der Braut als Symbol für Treue und Liebe in den Strauß oder Kranz, weswegen die Pflanze auch Brautkraut genannt wurde. Gleichzeitig wurde Rosmarin aber auch in Särge gelegt oder auf Gräbern gepflanzt, weil der kräftige und fast unverwüstliche Strauch die Hoffnung auf Wiederkehr symbolisierte. Der Duft ist angenehm herb und intensiv, weshalb Rosmarin früher sogar als Ersatz für Weihrauch genutzt wurde. Die Parfümindustrie entdeckte ihn als eine ideale Ergänzung zu den oft süßen Blumendüften. Auch in Kölnisch Wasser ist Rosmarin enthalten.

Schon die Mönche schrieben dem Rosmarin eine heilende Wirkung bei Schwächezuständen infolge eines zu niedrigen Blutdrucks zu, auch bei Muskelschmerzen, Erschöpfung, Nervosität und Kopfschmerzen kam die Pflanze zum Einsatz. Bei Magenbeschwerden oder Störungen der Verdauung soll ein Rosmarintee krampflösend und appetitanregend gewirkt haben. Im Vergleich zum Mittelalter haben wir es heute sehr bequem: falls der Rosmarin im Pflanzenbeet oder Topf nicht ausreicht oder nicht geplündert werden soll, können wir getrocknete Blätter für unseren Tee oder Badezusatz kaufen. Und es gibt eine große Auswahl an fertigen Produkten für ein anregendes Bad bei Kreislaufschwäche, das tatsächlich wirkt und deshalb nicht am Abend genommen werden sollte. Schwangeren Frauen wird übrigens von der innerlichen Anwendung des Rosmarins abgeraten.

Auch in der Küche findet Rosmarin viel Verwendung. Man kann ihn gemahlen, als ganze Blätter oder frisch aus dem Garten auch als kleinen Zweig beifügen. Sein typischer Geschmack rundet Gemüsesuppen und Fleischgerichte ab. In Deutschland würzt man mit Rosmarin Würste, in England den beliebten Hammelbraten. In der Provence gehört Rosmarin in jede Herbes de Provence-Kräutermischung. Außerdem wird aus Rotwein (natürlich Côte du Rhône), Zucker, Orange und Rosmarin ein Rosmarinwein hergestellt, der Geschmack ist aber nicht jedermanns Sache. Ganz anders sieht das in Italien aus. Besonders die beliebte Küche der Toscana ist sehr kreativ im Umgang mit dem Gewürz. Nach einem alten Rezept aus dem 14. Jahrhundert wurde dort zur Osterzeit Rosmarinbrot gebacken. Heute bekommt man diesen Leckerbissen in Form von knusprigen Brötchen. Aber noch raffinierter sind „Patate con Ramerino“, also Rosmarinkartoffeln:

Die Kartoffeln säubern und in ca. 30 Minuten weich kochen, danach abkühlen lassen. Inzwischen den Rosmarin waschen und die Nadeln von den Zweigen zupfen. Die Kartoffeln schälen und längs vierteln. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Kartoffeln bei mittlerer Hitze braun anbraten. Wenn sie fast fertig sind, mit Rosmarin, Salz und Pfeffer abschmecken und noch 2 Minuten unter Rühren braten. Fertig!

Diese Kartoffeln passen hervorragend zu gegrilltem Fleisch und allen Sorten von Braten. Und noch etwas: Wer beim Grillen etwas dickere Zweige des Rosmarins als Spieße für Gemüse und Fleisch verwendet, würzt sozusagen gleich von innen.

Volksnamen
Anthoskraut, Antonskraut, Brautkleid, Hochzeitsblümchen, Kid, Kranzenkraut, Meertau, Rosmarein, Rosmariggen, Weihrauchkraut

Wirkung und Anwendung von Rosmarin
Alterserscheinungen
anregend
Blähungen
Erschöpfungszustände
hartnäckige Hautausschläge
Kopfschmerzen
krampflösend
Kreislaufbeschwerden
Kreislaufschwäche
Menstruationsstörungen
Müdigkeit
Muskelverhärtung
Nervenschmerzen
nervöse Herzbeschwerden
nervöse Kreislaufbeschwerden
Nervosität
neuralgische Beschwerden
Niedriger Blutdruck
Rheuma
rheumatische Beschwerden
schmerzstillend
Schwäche
schwache Menstruation
Verdauungsfördernd
Verdauungsstörungen
Völlegefühl
Vorbeugung bei der Mund- und Zahnpflege

Verwendete Pflanzenteile
Blätter

Inhaltsstoffe
ätherisches Öl Terpene Gerbsäure Kampfer Bitterstoff

Sammelzeit
April / Mai (vor der Blüte)

 

Vorsicht
Bei Überdosierung kann es zu einer Reizung des Verdauungstraktes und zu Rauschzuständen kommen.

 

Ätherisches Öl

 

 

 

 

 

 

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