Heilkräuter
Kräuter Heilkräuter - Lexikon
Alles über Kräuter, deren Wirkung und Anwendung

Rosskastanie
(Aesculus hippocastanum)

Aesculus hippocastanum, der Baum des Jahres 2005, hat viele Qualitäten. Im Frühsommer trägt er imposante, kegelförmige Blüten in rosa oder weiss. Seine fingerförmigen Blätter bilden im Sommer ein dichtes Laubdach und spenden nicht nur Biergärten angenehmen Schatten. Im Herbst reifen die braunen kugeligen Samen, die Kinder unwiderstehlich finden. Fast jeder hat in Kindergarten oder Schule aus Streichhölzern und Kastanien schon kleine Männchen gebaut.

Ausgewachsen erreicht die Kastanie mit bis zu 30 Metern eine stattliche Höhe. Ursprünglich war der mächtige Baum in Vorderasien heimisch und gelangte über den Balkan erst vor etwa 300 Jahren nach Westeuropa. In der relativ kurzen Zeit hat sich die Rosskastanie in Parks und Wäldern sehr verbreitet, auch als Alleebaum wird sie oft gepflanzt. König Ludwig XIV. von Frankreich bezeichnete diese Kastanie als seinen Lieblingsbaum.

Die Bienen bedienen sich im Mai und Juni gerne an den kerzenförmigen Blüten. Aus diesem Nektar entsteht der delikate Kastanienhonig. Im Winter werden die braunen Samen zum Futtermittel für Rot- und Schwarzwild. Die heissen Maroni, die wir von Herbst- und Weihnachtsmärkten her kennen, sind übrigens die Samen der Esskastanie, einer Schwester der Rosskastanie. Vor allem in Frankreich und in der Schweiz erfreuen sich Maroni in Desserts, Kuchen und Suppen grosser Beliebtheit. Auch als Beilage zu Wildgerichten kann man sie häufig auf der Speisekarte feiner Restaurants finden. Früher wurden die Maroni auch als „Brot der Armen“ bezeichnet, weil sie sich ähnlich wie Mehl verarbeiten lassen. Heute wissen wir, dass Esskastanien einen hohen Nährwert haben, wenig Fett und Eiweiss, dafür viele Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten.

Aber zurück zur Rosskastanie. Zu ihrem Namen soll sie so gekommen sein: Kranken Pferden wurden die Samen mit der harten Schale vorgesetzt, worauf eine Besserung des Hustens eingetreten sein soll. In der Volksheilkunde spielt die Kastanie überhaupt eine wichtige Rolle, schon im Mittelalter hat Hildegard von Bingen ihre Extrakte genutzt. Heute sind sie für Homöopathen, Heilpraktiker und Naturärzte immer noch unentbehrlich. Die Inhaltsstoffe der Rosskastanie wirken antiphlogistisch und antiödematös, also entzündungshemmend und abschwellend. Bei Erkrankungen des Venensystems werden Kastanienextrakten eingesetzt. Krampfadern, Venenentzündungen, Geschwüre am Bein und Venenthrombosen werden damit behandelt. Der Wirkstoff Aescin dichtet die durchlässig gewordenen Venenwände ab und regt die Durchblutung in den feinen Gefässen wieder an. Dadurch kommt es zu einem Rückgang der Schwellungen in den Beinen, weil weniger Flüssigkeit durch die Venenwände in das umliegende Gewebe einsickert. Die Beine werden dadurch schlanker und das unangenehme Schweregefühl lässt nach. In jeder Apotheke sind Fertigpräparate in Form von Kapseln, Salbe oder Gel erhältlich.

Bachblüten-Therapeuten verwenden neben Kastanienknospen (Chestnut Bud) auch die rote und weisse Kastanie (Red Chestnut und White Chestnut) sowie die Edelkastanie (Sweet Chestnut) in ihren Tropfenkonzentraten. Patienten mit grossen Ängsten, Hoffnungslosigkeit oder Desinteresse gegenüber der Umgebung werden diese Präparate empfohlen. Auch wer nicht abschalten kann, weil die Gedanken ständig kreisen, soll von der Wirkung der Kastanie profitieren.

 

Volksnamen
Foppkastanie, Gemeine Roßkastanie, Judenkest, Pferdekastanie, Saukastanie, Vixirinde, Weiße Roßkastanie, Wilde Kastanie, Wildi Kestene

Wirkung und Anwendung von Rosskastanie
Durchblutungsstörungen
Durchfall
Fieber
Gicht
Hämorrhoiden
Hauterkrankungen
Husten
Krampfadern
Ödeme
Rheuma
Venenentzündungen
Venenerkrankungen

Anwendung

Roßkastanie-Bad bei Hämorrhoiden, Durchblutungsstörungen, Venenstauungen und Frostbeulen
Kochen Sie ca. ein Kilo der Rinde und der Früchte mit drei Liter Wasser auf und lassen Sie dies dann zehn Minuten ziehen, danach absieben. Dem Badewasser zugeben.

Kastanien-Tinktur bei Venenleiden
Stellen Sie eine Tinktur aus den zerkleinerten Früchten und Alkohol, z.B. Wodka, her.
Füllen Sie dazu eine Flasche zur Hälfte mit den Früchten und füllen Sie die Flasche mit dem Alkohol auf. Gut verschliessen und ca. 4 Wochen stehen lassen.
Schmerzende Stellen werden mit dieser Tinktur eingerieben.


 

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