Johanniskraut (Hypericum perforatum)Hypericum perforatum, das getüpfelte Johanniskraut, ist eine der seit 2000 Jahren bekannten und damit ältesten Heilpflanzen. Der griechische Arzt Dioskurides berichtete schon im Jahr 77 n. Chr. über das Johanniskraut. Im Mittelalter kam es bei Paracelsus „gegen melancholische Gedanken“ zur Anwendung. Im 19. Jahrhundert, als in der Medizin nur Gewicht hatte, was sich naturwissenschaftlich belegen liess, sagte Sebastian Kneipp über das Heilkraut: „Das Johanniskraut ist von nicht geringer Wichtigkeit und wirkt im Inneren des Körpers, wie nach aussen.“ Fast überall in Europa wächst es auf trockenen, mageren Standorten und in lichten Wäldern. Zur Sommersonnwende am 21. Juni steht es in voller Blüte und sollte nach der Überlieferung Schutz vor Hexen und bösen Geistern schenken, daher auch die Bezeichnung als Hexenkraut. Während der Christianisierung wurde es nach dem heiligen Johannes, dessen Namenstag am 24. Juni gefeiert wird, umbenannt.
Die strahlend gelben Blüten speichern in kaum sichtbaren schwarzen Öldrüsen einen roten Farbstoff, das Hypericin. Beim Zerreiben der Blüten mit den Fingern tritt der Farbstoff aus und die Haut färbt sich rot, was der Pflanze auch den Namen Blutkraut gab.
Bewährt hat sich Johanniskraut wegen seiner durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Wirkung bei Muskelschmerzen, Verbrennungen und Verletzungen. Ein Öl zur äusserlichen Anwendung lässt sich einfach herstellen, falls man weiss, wo die Pflanze wächst: Während der Hauptblütezeit zwischen Juni und August etwa 100 g Blüten mit 250 ml nativem Olivenöl übergiessen, an einem sonnigen Platz aufstellen und täglich einmal umrühren. Nach etwa 3 Wochen durch ein Sieb in eine dunkle Flasche füllen. Wer den Aufwand scheut oder keine geeigneten Standorte kennt, kann eine solches oft als „Rotöl“ bezeichnetes Einreibemittel auch fertig kaufen.
Was seit Jahrtausenden als Heilmittel überliefert wurde, ist inzwischen gut erforscht. Heute wissen wir: Der in Blüte und Kraut enthaltene Wirkstoff Hyperforin wirkt wie ein chemisch hergestelltes Antidepressivum, indem er die Aufnahme von Noradrenalin und Serotonin hemmt. Nebenwirkungen sind beim Johanniskraut nicht bekannt, man sollte lediglich während der Einnahme auf Sonnenbad und Solariumbesuch verzichten, da eine verstärkte Lichtempfindlichkeit der Haut beobachtet wurde. Dies ist besonders wichtig für Menschen mit sehr heller Haut. Auch wurde beobachtet, dass Johanniskraut die Wirksamkeit anderer Arzneimittel herabsetzen kann. Der behandelnde Arzt sollte also auf jeden Fall über die Anwendung von Johanniskraut informiert werden.
Die stimmungsaufhellende und harmonisierende Wirkung der Heilpflanze bei psychischen Beschwerden wie Nervosität, Ängsten, innerer Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen und leichten bis mittelschweren Depressionen ist inzwischen allgemein bekannt. Besonders bei Stimmungsschwankungen während der Menstruation oder in den Wechseljahren berichten viele Frauen über einen guten Erfolg. Auch wer in den Wintermonaten unter depressiver Verstimmung leidet, kann vom Johanniskraut profitieren. Wie bei fast allen pflanzlichen Heilmitteln ist es wichtig zu wissen, dass etwa 10 bis 14 Tage vergehen, ehe ein Effekt eintritt. Eine Therapie sollte daher über mindestens 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden.
Für die Behandlung von depressiven Verstimmungen gibt es Johanniskraut in Form von Tee, Tinktur, Kapseln oder Tabletten in Apotheken und Drogerien, die eine gleichmässige Wirkstoffkonzentration gewährleisten. Auf eine gute Beratung sollte man Wert legen, da in vielen frei verkäuflichen Präparaten der Wirkstoff in zu geringer Konzentration enthalten ist, so dass die erhoffte Wirkung ausbleibt. Zudem findet man in einigen Büchern gute Hinweise, welche Nahrungsmittel und Verhaltensweisen dazu beitragen können, dass man sich schnell wieder wohler fühlt.
Volksnamen
Hartheu, Hexenkraut, Johannisblut, Wundkraut, Teufelsflucht, Unserer Frauen Bettstroh,
Alfblut, Mannskraft, Jageteufel Wirkung und
Anwendung von Johanniskraut Angstzustände Antibiotisch
Bettnässen Blutergüsse Gliederschmerzen gegen Vergesslichkeit
Konzentrationsstörungen leichte Depressionen Magen-Darm-Katarrh
Magenschmerzen Muskelschmerzen nervöse Unruhe offene Wunden
Prellungen Quetschungen Schlafstörungen Schmerzstillend trockene
Haut sensible Haut gereizte Haut Verbrennungen Verdauungsstörungen
Verdauungssystem Verrenkungen Verstauchungen Wechseljahrsbeschwerden
Wetterfühligkeit Wunden
Verwendete Pflanzenteile
Das blühende
Kraut Blüten
Inhaltsstoffe
Hypericin Gerbstoffe ätherische Öle
Sammelzeit
Ende Juni bis September Anwendung
Bei Hautproblemen täglich 3x die betroffenen Stellen mit Johanniskraut-Öl
einreiben. Gegen leichte Depressionen und bei Stimmungsschwankungen täglich
3 Tassen Tee trinken. Möglich ist auch eine Anwendung von Fertigpräparaten
aus der Apotheke. Der täglich "verwertbare" Anteil der Wirkstoffe
liegt nach neueren Erkenntnissen bei 900 mg, mehr aufgenomme Wirkstoffe werden
einfach ausgeschieden. Hautbalsam mit Johanniskraut - entzündungshemmend
und entspannend Dieser Balsam mit Johanniskraut entspannt die Haut, ist entzündungshemmend
und beugt einer Narbenbildung vor. Ca. 1 Handvoll frische Johanniskrautblüten
und ca. 100 ml Olivenöl in einem Topf geben und erhitzen. 20 Minuten leicht
köcheln lassen, dabei umrühren. Danach die Kräuter abgießen
und ca. 10 g Bienenwachs in die Mischung einschmelzen. In einen sauberen Töpfchen
füllen und warten, bis der Balsam abgekühlt ist. Erst danach veschließen.
Bis zu einem Jahr haltbar bei kühler Lagerung. Blutdruck-Ausgleichender
Tee Der Folgende Tee ist Blutdruck-Ausgleichend, d.h. zu hoher Blutdrock wird
gesenkt, zu niedriger wird angehoben. 30 g Mistel 30 g Hirteltäschel
20 g Johanniskraut 20 g Schafgarbe Alles miteinander gut vermischen und
je Tasse ca. einen Teelöffel. Mit kockendem Wasser übergiessen, 5 Minuten
ziehen lassen, danach absieben. Drei Tassen pro Tag. Johanniskraut-Öl
bei Entzündungen Setzen Sie Johanniskraut-Blüten mit Öl an
und lassen Sie das Öl 4 Wochen in der Sonne stehen. Danach absieben und in
eine dunkle Flasche füllen. Johanniskraut-Tee bei Unruhe, Angst und
leichten depressiven Stimmungen Ein Teelöffel Johanniskraut mit 250 ml
kochendem Wasser übergiessen und zehn Minuen ziehen lassen. Dreimal täglich
eine Tasse trinken. Johanniskraut-Tee gegen Bettnässen bei Kindern
Ein Teelöffel Johanniskraut mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen
und zehn Minuen ziehen lassen. Am frühen Nachmittag dem Kind eine Tasse zu
trinken geben. Vorsicht Johanniskraut
macht empfindlich gegen Sonneneinstrahlung. Nicht vor Sonnenbädern einnehmen
oder einreiben.
Die Wirkung mancher Medikamente vor allem immunsuppressive
Medikamente wird durch Johanniskraut abgeschwächt.
Johanniskraut kann
die Wirkung der Pille beeinträchtigen! Schwere Depressionen müssen
vom Arzt behandelt werden!!!
Ätherisches Öl
Heilkräuter-Verzeichnis
A
B C
D E
F G
H I
J K
L M
N O
P Q
R S
T U
V W
X Y
Z
|